Es ist fast geschafft! Die letzten Knabberartikel sind im Einkaufswagen, die Einkaufsliste ist abgehakt. Also auf zur Kasse!
Und genau da beginnt das Problem. An welcher Schlange soll ich mich anstellen? Von acht Kassen sind fünf besetzt. Die Qual der Wahl beginnt!
Also schnell mal gucken; an Kasse 1 und an Kasse 3 stehen Hausfrauen mit Einkaufswagen, die so voll sind, dass die Einkäufe eigentlich eine sechzehnköpfige Familie locker durch den Winter bringen könnten. Also fallen diese Kassen schon mal weg!
Kasse 4 ist vielversprechend. Nur drei Leute vor mir, also nichts wie hin! „An dieser Kasse bitte nicht mehr“, tönt es kategorisch und auch ein ganz klein wenig schnippisch! Mist!!! Kasse 5 kann man völlig vergessen, zu viele Rentner! „Ich schau mal, ob ich’s passend hab!“ Und das kennt man ja: Dann wird mit zittrigen Fingern das Kleingeld durchforstet, anschließend fällt ein Teil des Geldes auf den Boden, und so weiter. Also Kasse 5 ganz bestimmt nicht!
Somit bleibt nur noch Kasse 8: Eine ältere Dame, eine Mutter mit Kind, zwei Schülerinnen und ein Handwerker. Ein ziemlich hohes Risikopotential, vielleicht von dem Handwerker mal abgesehen.
Der Handwerker ist tatsächlich fix, er bezahlt sein Mittagessen (vier Flaschen Bier, Leberkäse und Brötchen) ohne Komplikationen. Die zwei Schülerinnen bezahlen ihre Cola-Dosen und Süßigkeiten zwar getrennt, halten aber den Betrieb auch nicht unnötig auf.
Jetzt wird’s spannend. Natürlich! Die Mutter hat vergessen ihre Tomaten auszuwiegen. Sie glotzt die Kassiererin dämlich an, als ob sie noch nie irgendwo Gemüse hätte abwiegen müssen. Anstatt nun die Tomaten einfach liegen zu lassen, trabt sie los, um die roten holländischen Wasserspeicher mit dem nötigen Etikett zu versehen. „Torben, sei schön artig“, ermahnt sie noch ihre Brut.
Es versteht sich von selbst, dass Torben nicht daran denkt, artig zu sein. Er packt Schokoriegel in den Wagen, Kaugummis und Bonbons. Dass die ersten Artikel bereits gescannt sind, als Torbens Mama endlich zurückkommt, ist klar. Warum gibt es eigentlich immer noch kein Gesetz, das Mütter zwingt, ihre Kinder während des Einkaufs zu fesseln und zu knebeln?
Inzwischen schaue ich schadenfroh zu Kasse 5, wo soeben der gefürchtete Satz ertönt: „Ich brauch‘ mal schnell den Schlüssel! Frau Meyer, hast Du ihn?“ Nein, Frau Meyer hat ihn nicht, aber sie steht von Kasse 4 auf und hilft suchen. Sehr zur Freude der Leute, die dort in der Schlange stehen. Haha!
Mutter und Monster-Torben haben es irgendwie geschafft, Ihre Einkäufe auf das Laufband zu packen. Kindermund tut Wahrheit kund, sagt man ja immer. Und tatsächlich gibt es jetzt etwas zu lachen. Während die Kassiererin den Betrag verkündet („So, das macht dann 97,43!“), schaut der kleine Torben auf einmal ganz besorgt: „So teuer? Mama, hast Du denn auch so viel Geld dabei? Du und Papa haben doch neulich gesagt, dass Ihr finanzielle Probleme habt...“
Die Kassiererin schaut betreten zu Boden und hofft, dass man ihr das nur mühsam unterdrückte Losprusten nicht anmerkt. Die anderen in der Schlange und selbst ich staunen derweil über das Phänomen, zum ersten Mal beobachten zu können, dass eine Hausfrau die gleiche Gesichtsfarbe annehmen kann, wie die soeben von ihr erworbenen Tomaten...
So, nur noch die ältere Dame trennt mich von der Erlösung, abkassiert zu werden. Genau in diesem Moment wird Kasse 6 aufgemacht, und dieser unangenehme Typ, der mindestens drei Wagen hinter mir war, schiebt sich nach vorne! Eine Unverschämtheit ist das! Frechheit!
Die ältere Dame ist für Ihr Alter ausgesprochen zügig und endlich... endlich bin ich dran. Es ist geschafft!
Die Kassiererin will gerade den ersten Artikel scannen, da passiert es! „Moment, ich muss nur schnell die Bon-Rolle wechseln!“ Es ist zum Heulen!
Und wieso grinsen mich die Leute von Kasse 6 so frech an?
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Bald auch wieder auf Papier:
Bei Zeit(t)räume Berlin erscheint im Herbst 2008 das neue Buch (K)EIN KOMMENTAR